Vom Gesang der Freiheit

Hallo, ich bin neu hier...

Vom Gesang der Freiheit

Beitragvon Löhni » Di 7. Nov 2017, 23:49

Moin liebe Leute.

Einige kennen mich vielleicht schon aus dem Segeln-Forum, wo ich unter dem gleichen Nick unterwegs bin, aber für allen anderen erzähle ich hier gern ein wenig von mir.

Für einen gebürtigen Kieler habe ich meine Liebe zum Segeln relativ spät entdeckt.
Im reifen Alter von 31 Jahren machte ich den SBF-See und kaufte mir zusammen mit einem Freund eine Woche später eine 22 Fuß Westerly, auf der ich mir das Segeln zunächst im Selbststudium bzw. "learning by doing" beibrachte. Das war eine aufregende Zeit, da ich tatsächlich bis dahin noch nie auf einem Segelboot gewesen bin. Die Kieler Förde war mein Revier, welches mir zunächst riesig vorkam, und welches ich erstmal auch nicht verlassen habe. Mit der Zeit kam die Erfahrung und mit ihr die Abenteuerlust. Auf meiner ersten Fahrt nach Damp (mit Übernachtung an Bord) fühlte ich mich, wie auf einer Atlantiküberquerung. Unbeschreiblich dieses Gefühl der Freiheit. Und der Moment, an dem ich zum ersten Mal den Danebrog unter die Steuerbordsaling gezogen habe, löste in mir wohl die gleichen Gefühle aus, die Neil Armstrong gehabt haben muss, als er die US-Flagge in den Mond gerammt hat. Na gut, vielleicht übertreibe ich ein bisschen, aber definitiv war ein neues Hobby, nein eine neue Passion gefunden.
Die 22 Fuß wurden dann recht schnell zu klein für die Familienurlaube auf der Ostsee, so dass nach ein paar Jahren ein 27 Fuß Schiff gekauft wurde, auf dem sich auch Frau und Tochter wohl fühlten. Die Seetüchtigkeit wurde vergrößert, der Radius stieg.
Wiederum ein paar Jahre später kam ein Wendepunkt. Eigentlich nur, um einen guten Liegeplatz vor der Haustür zu ergattern, trat ich in den örtlichen Segelverein ein. Im Nachhinein bereue ich, dass nicht viel früher gemacht zu haben, denn plötzlich war da der Austausch mit Gleichgesinnten, das gegenseitige Mitsegeln, Abgucken, Lernen und die ersten Regattaerfahrungen. Und schon wieder hatte ich Blut geleckt. Leider war mein Schiff ein untertakelter, eher gemütlicher Eigenbau ohne jegliche Regattaeignung. Es gab kaum Trimmöglichkeiten, keinen Spi, ja nicht mal einen Yardstickwert. Das machte selbst die Teilnahme an Vereinsregatten schwierig, bzw. chancenlos. Also musste wieder ein neues Schiff her. Und wenn schon, dann natürlich was größeres, auf dem man dann auch besser Urlaub machen kann. Aber bitteschön mit einem Yardstickwert, den man auch gut raus segeln kann. Die Wahl fiel auf eine Helmsman 31, die für ihre Erfolge in der Halbtonner-Klasse der 1980er Jahre bekannt und berüchtigt war. Ich fand eine gut erhaltene in Göteborg und segelte sie im Sommerurlaub nach Hause. Ein wunderbares Schiff, mit dem ich sehr schöne Urlaubstörns und so manche Regatta gesegelt bin. Eine heftige Grundberührung auf einer Regatta wurde ihr leider zum Verhängnis. Die Reparatur erwies sich als sehr kompliziert und kostspielig, was leider einen wirtschaftlichen Totalschaden bedeutete.
So war ich im Sommer diesen Jahres ganz unerwartet abermals auf Bootssuche. Eine brauchbare Helmsman 31 war nicht auf dem Markt, und außerdem hatte die Familie schon wieder ein bisschen mehr Platz und Komfort ins Lastenheft geschrieben. Und es sollte bitte nicht ganz so schräg und nass segeln - naja, Frauen halt. ;) :$

Die Wahl fiel auf eine Optima 98GS, die auf den Namen "Canta Libre" hört. Das ist spanisch und bedeutet wohl so viel wie "Gesang der Freiheit". Ein Name, mit dem ich mich anfreunden kann. Ist es doch das, was für mich das Segeln ausmacht. Der fast neuwertig anmutende Zustand und der unbeschreibliche Wohlfühlfaktor unter Deck haben letztendlich bei meiner Frau und mir den Ausschlag gegeben.
Zugegeben, sie ist nicht gerade eine Rennziege, aber mit einem, wie ich hoffe, recht gut ersegelbaren Yardstick.

Ein paar Mängel habe ich allerdings mitgekauft und ein paar Optimierungen sind auch noch nötig. Das werde ich diesen Winter nach und nach erledigen und euch gerne darüber auf dem Laufenden halten. Evtl. ergibt sich dabei ja auch noch die eine oder andere Frage.

Viele Grüße,
Jan
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Re: Vom Gesang der Freiheit

Beitragvon kassebat » Mi 8. Nov 2017, 06:54

Moin Löhni,

dann mal Willkommen in diesem Forum und viel Spaß auch hier.
Schöne Vorstellung und ich finde Sie nicht übertrieben - die geschilderten Gefühle kenn ich zu gut :D

In einem der beiden Foren warden wir uns dann ja wieder über den virtuellen Weg laufen.
Als der liebe Gott feststellte, das die Elite segelt, schuf er für den Rest die Ballsportarten. :D
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Re: Vom Gesang der Freiheit

Beitragvon relax » Do 9. Nov 2017, 21:30

Auch moin Löhni und willkommen.
Du kannst dieses Forum allerdings absolut nicht mit dem Segelnforum vergleichen. Hier tummeln sich nur
Dehlerleute ( wenn überhaupt) und die Themen sind meist sehr sachlich bezogen.
Dafür haben wir aber den Vorteil, dass sich hier keine Laberbacken und Besserwisser treffen und Politik draußen bleibt. Leider mangelt es aber hin und wieder an Aktivität, da der Teilnehmerkreis sehr klein ist.
Daher, bring dich gern ein und stell deine Fragen. Die Optima 92/98 ist ein sehr schönes Boot und ich wünsche dir viel Spass damit.
Gruß Relax
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Re: Vom Gesang der Freiheit

Beitragvon jensstark » Fr 24. Nov 2017, 10:59

Welche Probleme hast Du denn zu lösen? Eventuell weiß man ja hier so einiges...
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Re: Vom Gesang der Freiheit

Beitragvon Löhni » Di 28. Nov 2017, 18:43

So richtige ernsthafte Probleme habe ich zum Glück nicht. Es sind halt ein paar Sachen zu machen:

- Das untere Ruderlager war fest - Kunststoff aufgequollen. Das habe ich vom Marina Team bestellt und bereits ausgetauscht. Das war kein Ding, aber zum unvermeidlichen Ausbauen des Ruders musste ich ein Loch von fast 1 Meter Tiefe in unseren Winterlagerplatz graben. Das war sehr schweißtreibend.
- Da das Ruder nun raus war, und ich diese Buddelarbeit in ein paar Jahren nicht wieder machen wollte, habe ich gleich die Welle gezogen und eine neue Stopfbuchse (Radice/Allpa), sowie das äußere Wellenlager neu besorgt. Das muss beides noch montiert werden. Das sollte aber nicht so schwierig sein, obgleich mir Tipps zum Entfernen des alten Wellenlagers schon willkommen wären.
- Wenn das Ruder wieder drin ist, wird ein Autopilot installiert (Ich habe mir ein Simrad/B&G System mit Kurscomputer (AC12), Kompass (Precision 9) und Antrieb (SD 10) zugelegt. Für den Antrieb lasse ich mir von einer Schlosserei einen 250mm Hebel an den Ring des Ruderausschlagbegrenzers schweißen.
- Um das ganze zu steuern habe ich einen B&G Zeus-Kartenplotter gekauft, den ich gerne irgendwie an die Steuersäule montieren würde. Dafür habe ich hier im Forum einige Inspirationen gefunden, aber es ist nichts dabei, was mich 100% überzeugt. Die Kabel dafür sollen nach Möglichkeit in der Steuersäule verschwinden. Ich gehe davon aus, dass ich da ein Leerrohr montieren kann, wenn der Kompass oben ausgebaut ist, oder?
- Apropos Kompass: Der ist trocken. Ich habe vor, den mit reinem Petroleum wieder zu befüllen, nur bisher ist es mir nicht gelungen, ihn auszubauen. Ich gehe davon aus, dass ich die drei mickrigen Madenschrauben seitlich rausdrehen muss, aber die sind so verdammt fest, dass mir bei der einen der Inbusschlüssel abgebrochen ist, und bei den anderen beiden dreht er durch. Falls jemand von euch da einen guten Tipp hat, sehr gerne. Ansonsten würde ich das aufbohren und anschließend eine oder zwei Nummern größer neue Gewinde schneiden. Was meint ihr, das müsste doch gehen oder?
- Die Truma Gasheizung ist kaputt. Geht direkt nach dem Starten immer auf Störung. Die habe ich schon komplett ausgebaut (mit Elektronik) und werde sie wohl demnächst zur Reparatur einschicken.
- Den Bugkorb habe ich ausgebaut und zu einem Edelstahlschlosser gebracht. Der ist vorne zu schmal für eine Furlex-Trommel und muss angepasst werden. Außerdem soll er ein Halteblech für eine LED Zweifarben-Posi bekommen. Ich mag die Dreifaltigkeit auf dem Mast nicht.

Das klingt nach einer langen Liste, aber das sind alles Dinge, die mir vor dem Kauf klar waren und ich habe die Optima, die ansonsten wirklich top in Schuss ist, auch für einen entsprechend guten Preis bekommen. Außerdem ist der Winter noch lang und ich habe zum Glück nur etwa 700 Meter von der Haustür bis zum Winterlagerplatz.
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Re: Vom Gesang der Freiheit

Beitragvon axi » Mi 29. Nov 2017, 11:17

Löhni hat geschrieben: obgleich mir Tipps zum Entfernen des alten Wellenlagers schon willkommen wären.

Wenn die Welle ausgebaut ist, kannst Du das alte Lager mit einem Metallsägeblatt (vorsichtig) längs trennen, geht dann leicht raus. Leichte Kratzer an der Halterung sind nicht zu vermeiden aber unkritisch.
Bei eingebauter Welle hilft dieses alte, in 2 Hälften zerlegte Lager beim Ausdrücken des Lagers. Dabei musste ich die Halterung mit einer Lötlampe erhitzen.
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jensstark hat geschrieben:Ich mag die Dreifaltigkeit auf dem Mast nicht.

Die ist beim Segeln in Welle aber nötig, damit Du aus der Entfernung gesehen wirst.
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Re: Vom Gesang der Freiheit

Beitragvon Löhni » Mi 29. Nov 2017, 13:43

Hallo Axi.
Vielen Dank für den Tipp. Die Welle ist ja schon raus, und die Zersäge-Variante ist mir auch bekannt.
Meinen ersten (kurzen) Versuch habe ich allerdings nach wenigen Minuten abgebrochen, weil das Sägeblatt total stumpf war und ich nicht sichtbar voran kam. Das werde ich demnächst mit besserem Material weiter versuchen.
Um mir diese Arbeit bei einem zukünftigen Wechsel zu erleichtern, habe ich das neue Lager in Kunststoff bestellt. (Gibt es von Allpa. Kostet nur ein paar Euro mehr, als die Messing-Variante)

Was die Dreifarbenlaterne angeht, da gehen die Meinungen ja auseinander. Es gab vor ein paar Jahren mal einen BSU Unfallbericht einer Yacht, die vor Fehmarn von der Puttgarden-Fähre übergemangelt worden ist. Das Ergebnis der Untersuchung war, dass der Fährkapitän aufgrund der (viel höher angebrachten) Dreifarbenlaterne von einer deutlich größeren Entfernung ausgegangen war. Die BSU sprach sich damals sehr deutlich gegen die Dreifarbenlaterne aus.
Ich denke nicht, dass der Vorteil in hoher Welle das kompensiert. In hoher Welle wird man u.U. nicht durchgehend gesehen, aber zumindest in regelmäßigen kurzen Abständen, was dem Gegenüber die Einschätzung der Situation (speziell Entfernung und Kurs) durchaus ermöglicht.
Und der Hauptvorteil der Dreifarbenlaterne (Stromverbrauch) ist obsolet, seit es LED-Posis gibt.
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